2) Zusatz N:o 2.



 Das Dorf Urak liegt ungefähr 20 km nordöstlich vom Dorfe Boshe-Osernaja oder Parna, zwischen diesem und dem Dorfe Uschury. Abb. 64. giebt ein Perspektivbild der Gräbersteppe wieder. Von den auf der Kartenskizze Abb. 2. angegebenen sechs Gräbergruppen enthält Gruppe I ungefähr 20 Gräber, II und III ung. je 10 Gräber, Gruppe IV 47, Gruppe V 59 und Gruppe VI 16 Gräber. Die Gräber der Jetztgenannten Gruppe sind genau nach ihrer Lage in die Karte eingetragen worden.

Abb. 3 stellt ein gewöhnliches einfaches Grab mit 6 Steinpfeilern von demselben Typus wie der Grundriss Abb. 7. dar.

  Abb. 418 zeigen verschiedene Grabformen auf der Uraker Steppe. Am einfachsten ist die auf Abb. 4, mit nur zwei gegenübereinander stehenden Steinpfeilern, der eine auf der Nord:, der andere auf der Südseite. An der Ost- und des Westseite grösserer Gräber einandergegenüber aufgestellte Steinpfeiler sind als Grenzzeichen zwischen zwei Grabkammern aufzufassen, wie aus dem Beispiel des unten beschriebenen untersuchten Grabes geschlossen werden dürfte. Wenn diese Annahme richtig ist, würde das Grab Abb. 5 eine Grabkammer enthalten, die Gräber Abb. 7. deren zwei, Abb. 10 drei, Abb. 6 fünf u.s.w. Auch die niedrigen auf der Kante stehenden quer über das Grab gestellten Steine scheinen Scheidemerkmale zu sein, wie aus Abb. 13, 15—17 hervorgeht. Mit einem Vorbau ausgestattete Gräber sind in Abb. 8, 9, 11, 12 Abb. 15—18 zu sehen.

 Die Steine Abb. 19—21 stehen am Grabe Abb. 18. a, b, c. Abb. 19. zeigt die östliche Schmalseite des Steines a; Höhe 115 cm. Abb. 20 — die östliche Schmalseite des Steines b; Höhe 110 cm. Abb. 21 — die westliche Schmalseite von Stein c; Höhe 85 cm. Die grob geformten Menschen- und Tierbilder sind mit einem metallenen (eisernen?) Pickel 3—5 mm tief eingehauen. Besonders beachtenswert unter ihnen ist der mit dem Bogen schiessende Reiter (a) und der Mann mit dem Köcher (?) an der Seite und einer doppelspitzigen Mütze auf dem Kopfe (c); auch die Form des Geweihs der hirschähnlichen Tiere (die Steine a und c) ist, wie wir auf unserer Reise beobachten konnten, einzig in ihrer Art.

 Das Grab Abb. 14 mit einem niedrigen Erdhügel, mit- ten auf welchem Steine einen Ring und mehrere Reihen bildeten, unterschied sich durch seine Form von allen übrigen. *

 Das Grab, das wir auf der Gräbersteppe östlich vom Dorfe Urak untersuchten, gehörte zu der zwischen den Bergen Ostigdigei und Chosoltach liegenden sechsten Gräber- gruppe (vergl. die Kartenskizze Abb. 2, VI a, und Abb. 22 ). Das Grab war rechtwinklig und mit einem niedrigen, sich ein wenig über die Steppe erhebenden Hügel versehen. Randsteine — hochkantgestellte Steinplatten — waren hauptsächlich nur an der West: und der Nordseite zu sehen. Stemmpfeiler (die höchsten 1,30—2,30 m hoch) standen an den Ecken und in der Mitte der Ost- und der Westseite; die letzteren dienten offenbar als Grenzpfeiler zwischen verschiedenen Bestattungen. Die ganze Länge der Grabumfriedigung betrug 15 à 15,20 m N—S, die Breite am Südende 8 m, am Nordende 9,30 m. Vergl. den Grundriss Abb. 23

 Nachdem wir zuerst einen ungef. 1 m breiten Graben längs der Mitte des Hügels gezogen hatten, wurde die Grabung erweitert, sobald wir auf einen Steinbau stiessen. An der Mitte des nördlichen Teiles der Grabumfriedigung stiessen wir auf eine Steinkistenanlage folgender Art. Die Leiche lag in einer aus hochkant gestellten Steinplatten gebildeten Kiste, von der bei fortgesetzter Grabung am Westende des Grabes eine 45 cm lange geneigte Steinplatte, zwei ungefähr 10 cm dicke und 1,20 m bezichungweise 0,65 m lange Platten der Nordwand sowie in der Südostecke eine kleinere 40 cm lange Fliese zum Vorschein kamen. Die Decksteine der Kiste waren drei grosse Platten, von denen 2 ungef. 1x2 m massen, die dritte ungef. 1X1, 20 m. Sie ruhten auf den Wandsteinen der Kiste und hatten sich beim Setzen des Grabes ein wenig einwärts geneigt. Die Decksteine lagen ungef. 0,70 m unter der Erdoberfläche. Nach der Lage der Wandsteine zu urteilen war das Kopfende der Kiste schmäler als das Fussende, wie aus dem Grundriss Abb. 25 hervorgeht. Diese Kiste war im Innern mit jetzt vermoderten Brettern aus Lärchenholz (einem Sarge?) bekleidet, welche das Grab auch an den Stellen begrenzten, an welchen Wandsteine fehlten. Abb. 25: 9.

 Da die Decksteine so gross und schwer waren, dass sie nicht mit den uns zur Verfügung stehenden Werkzeugen bewegt werden konnten, hatten wir keinen anderen Ausweg als sie mit Hämmern entzweizuschlagen, um das Innere des Grabes untersuchen zu können. Am Westende des Sarges lagen auf den Decksteinen ungefähr 70 cm unter der Oberfläche, ohne Ordnung zu einem Haufen gesammelt, Menschenknochen: zertrümmerte Schädelteile, ein Unterkiefer, Schenkelknochen und Rippen u.a.m. Dieser Haufen war 70 cm lang, 40 cm breit und 20 cm hoch, Abb. 23 N:o 1 u. Abb. 24; wahrscheinlich die zerbrochenen Skeletteile eines Sklaven.

 Einen Meter tiefer oder, 1,80 m unter der Erdoberfläche lag ein Skelett in Rückenlage (Abb. 23 N:o 2 u. Abb. 25) mit dem Kopf nach Westen (richtiger WSW). Das Skelett war im grossen ganzen unversehrt, nur war der rechte Unterschenkel zur Seite gewendet und fehlten alle Fussknochen. Zwei kleine Knochenstücke fanden sich in der Nähe der rechten Schulter, Abb. 25 4: und ebenfalls zwei in der Nähe des linken Ellenbogens, Abb. 25 7.: Neben dem linken Schenkel lag ein Haufen Knochen von geopferten Tieren, Abb. 25: 8. An dem Skelett wurden folgende Gegenstände gefunden:

 Drei runde in der Mitte durchlochte gewölbte Scheiben aus Bronzeblech, 27 mm im Durchmesser. Zwei von ihnen mit Buckelchen am Rande, die dritte glatt. Sie lagen an ihrem ursprünglichen Platz auf der Stirn und rührten von einer Kopfbinde oder dem Rande einer zergangenen Kopfbedeckung her. Abb. 25: 1 u. Abb. 27: a, b.

 1 ebensolche kleinere (22 mm) Scheibe mit gebuckeltem Rand auf der rechten Seite des Kopfes. Abb. 25: 2.

 1 ebensolche grössere (38 mm) Scheibe mit Randbuckelchen auf der Brust. Abb. 25: 3 u. Abb. 27 c.

 2 ein wenig gebogene Stücke Bronzeblech, die von einem und demselben Beschlage eines Stabes (?) herrühren, beide längs dem einem Rande mit Buckelchen verziert. Lagen in der Nähe der linken Schulter, Abb. 25: 6 u. Abb. 28: a. Das eine Stück war beim Finden mit einem dünnen, ebenfalls gebuckelten Stückchen Goldblech bedeckt. Abb. 28: b.

 An der rechten Seite des Kopfes lagen die Scherben eines zerbrochenen unverzierten Tongefässes, das, wie es sich nach der später vorgenommenen Wiederherstellung ergab, 31, 5 cm hoch war, einen flachen Boden hatte und mit Löchern für die Trageschnur ausgestattet war, Abb. 29.

 Im südlichen Teil der Grabumfriedigung fanden wir keine Steinkiste, doch hatte sich dort allem Anschein nach ursprünglich ein jetzt gänzlich vermoderter Holzsarg befunden, der von drei 1,50, beziehungsweise 1,30 und 0,60 m langen Steinplatten bedeckt gewesen war, Abb. 23 N:o 3. Von dem Skelett am Boden des Grabes, 1,80 m unter der Erdoberfläche, war nur der Unterkiefer erhalten, Abb. 23 N:o 5, und ungefähr 1 m westlicher fanden sich in derselben Tiefe einige Topfscherben und Tierknochen vor, Abb. 23 N:o 4. Auf den Deckssteinen, welche auch in diesem Grabe sich etwas einwärts geneigt hatten, ruhte, 0,80 m unter der Oberfläche ein unversehrtes Skelett, wahrscheinlich eines Sklaven, zusammengekauert, den Kopf gegen die Kniee gedrückt und auf der rechten Seite liegend, Abb. 23 N:o 3. und Abb. 26.