6)Zusatz N:o 6.



 Es mögen hier einige Bemerkungen über die Grabsteine in der Podkamener Gegend folgen.

 Nach meiner Rückkehr vom Orgaberge suchte ich eine auf der Steppe nördlich vom Burgwall liegende Gruppe zerstörter Gräber auf, deren Steinhügel von Steinpfeilern umgeben sind. Hier sah ich zum ersten Mal ein Reliefbild — ein menschliches Gesicht — in die Schmalseite eines Pfeilers eingehauen, Abb. 104. Die ganze rechte Seite des Gesichts war verwittert; erhalten waren nur das Kinn, ein Teil des Mundes, das linke Nasenloch, zwei Tätowierstriche auf der Wange und das linke Auge. Von der Stirn liefen, ganz wie auf dem Stein 105, zwei undeutlich sichtbare parallele Linien bis zum Scheitel. Der Stein war geneigt, ung. 1,80 m hoch. Solche mit Gesichtern verzierten Steine heissen bei den Russen »Steinweiber», (kamennaja baba).

 Der Stein Abb. 96 steht auf der Steppe ung. 4 Werst östlich von Podkamen und 3 Werst vom Uluss Barbakowo nach Batanakowo zu. Ich nenne ihn der Deut- lichkeit halber den Podkamener Stein I. Er steht als westlicher Eckstein an einem viereckigen Grabe und ist 1,40 m hoch und 1,15 m breit. Von seiner Oberfläche sind in späteren Zeiten Teile abgespaltet worden. Von den Bildern, die alle ein- geritzt sind, stellt die äusserste Gruppe links eine schwer zu erklärende Szene dar: ein sich bäumendes gesatteltes Pferd und drei Menschen, von denen ein Mann einen bis zu den Knieen reichenden Rock trägt, dessen Schösse vorn und hinten zu sehen sind (vrgl. Abb. 90 b); von der Taille hängen ein rechteckiger Gegenstand (Schild?) und ein Köcher (?) herab. Von dem letzteren ist nur der obere Teil auf der Vorderseite der Menschengestalt sichtbar, der Rest ist als vom Körper verdeckt gedacht. Der Mann hält mit der einen Hand einen anscheinend nackten Menschen am Kopfe fest und zückt mit der anderen ein spitze Waffe gegen ihn. Bemerkenswert sind auch die Figuren zwischen dem Kopf des Pferdes und dem Manne (deutlicher auf Abb. 97). Die anderen Bilder stellen galoppierende Stiere und Pferde sowie Bogenschützen dar. Rechts ist ein Kessel mit Fuss gezeichnet, 9 cm hoch, verziert mit zwei ringsumlaufenden Linien, zwischen denen sie verbindende Kreuze stehen. Über dem oberen Rande dieser Kesselfigur ist ein Stuck vom Steine abgesplittert. Auf dem oberen Teile des Steines ist ein ganz kleiner Kessel gezeichnet von derselben Form wie der soeben geschilderte und rechts von ihm ein dritter, ebenfalls mit Fuss aber verhältnissmässig breiter und ohne Ornament. Abb. 97 giebt die Bilderserie auf dem mittleren Teile des Steines in 1/5 natürlicher Grösse wieder.

 Auf die andere Seite desselben Steines war ein Bild eingeritzt, das wahrscheinlich einen vornehmen Mann, wahrscheinlich einen Priester darstellen soll und von welchem nur der obere Teil einigermassen deutlich war, Abb. 98. Den Scheitel und Hinterkopf bedeckt bis vor die Ohren eine Art Mütze und von der Stirn steigt ein sich nach oben erweiternder mit einer Borte versehener (genähter?) Aufbau auf, der vorne ein halbkreisförmiges kokardenartiges Abzeichen hat. Vom Kragen des weiten ärmellosen Gewandes hängen Fransen herab. Aus der Hand (die allerdings auf dem Bilde nicht zu sehen ist) erhebt sich bis vor das Gesicht ein Gegenstand, der unten schmal, oben breit und schief abgeschnitten ist.