Nach unserer Ankunft im Uluss Tschirkowo am Uibat, begab ich mich in Begleitung unseres tatarischen Bauernwirtes am 15 August in nördlicher Richtung auf den Weg zum Birjafluss, während Aspelin in Tschirkowo blieb. Nach den ersten 9 Wersten fand ich rechts am Wege ein viereckiges Grab, an dessen Ecken Steinpfeiler errichtet waren. Gegenüber, auf der anderen Seite des Weges stand auf ebener Steppe ein einzelner 1,60 m hoher und ungefähr 50 á 70 cm dicker Steinpfeiler, in dessen eine gerundete Ecke ein tätowiertes Gesicht mit Schultern gehackt war. Von der Stirn dieses Gesichtes gingen Rudimente der traditionellen Hörner und Ohren aus (Abb. 141 a, b). Am Fusse des Steines war eine 3 bis 4 m weite und 40 cm tiefe Grube. 3 Werst weiter von hier (nach Angabe »12 Werst von Tschirkowo») gelangte ich zu einem Bergpass. Hier zeigte mir mein Führer zwei in einer ziemlich steilen Bergwand rechts vom Wege befindliche Höhlen, von denen die südlichere klein, die nördlichere gross, etwa 3 m breit und beinahe 2 m hoch war. Im Innern der letzteren bildete der Felsen gleichsam Sitze und ein natürlicher Pfeiler teilte die Höhle in zwei Teile (Abb. 142). Bilder, Inschriften oder andere Spuren von Bewohnern konnte ich nirgends beobachten. | Am Birjafluss, der in den Uibat mündet, kamen wir zuerst nach dem Uluss Tasmin, bei welchem Inschriftsteine sein sollen und der ungef. 30 Km von Tschirkowo auf einer 5 bis 6 Km langen Steppe auf dem rechten Ufer des Flusses liegt und aus drei Jurtengruppen besteht. Die Steppe auf dem linken oder östlichen Ufer des Flusses ist breiter und offener sowie im Osten von bewaldeten Bergen umsäumt. Inschriftsteine gab es hier nicht, dagegen 4 Gesichtssteine (»Baben») und viele Kurgane (vrgl. die Kartenskizze Abb. 143). Am Nordende der Steppe war eine Gruppe Gräber mit kleineren Steinpfeilern und herausgegrabenen Steinplatten. Einen halben Kilometer weiter nach Südosten stand ein ein» zelner weisser 1,40 m hoher, dicker Stein (Granit?) mit rechteckigem Durchmesser und mit den Breitseiten beinahe genau von Osten nach Westen orientiert (Stein I auf der KarteKarte). Auf seiner ebenen Südseite war mit 1½, cm breiten eingehackten Linien ein dreiäugiges Ungeheuer abgebildet, das unter den Augen mit drei, zwischen Nase und Mund mit zwei Tätowierstreifen ausgestattet war; um den Kopf waren Strahlen, darunter vier Glieder und unter diesen der obere Teil eines eckigen Kopfes mit zwei Tätowierstreifen und Mund, Abb. 144. Offenbar war die untere Linie des Gesichtes unter der Erdoberfläche. Rings um das obere Gesicht sieht man zum Teil symmetrisch geordnete Strahlen. Ein anderer mit Bildern versehener Steinpfeiler (Stein II auf der Karte; Abb. 145) steht ungefähr 2 Km genau südlich von dem eben beschriebenen. Er ist aus rotbraunem Sandstein, über 3 m hoch, 0,77 m breit an der Mitte und 0,10—0,12 m dick; die Breitseite ist von Südwest nach Nordost gerichtet. Die Oberflächen des Steines sind vor ihrer Ausschmückung mit Bildern offenbar geebnet worden. In die südwestliche Schmalseite ist das Reliefgesicht eines Menschen kunstvoll eingehackt, alle übrigen Figuren waren durch vertiefte eingehackte Striche hergestellt. Oberhalb des Gesichtes verliefen nach dem Scheitel des Steines zu die Linien eines schlangenartigen Bildes. Auf der nordwestlichen Breitseite ragten von der rechten Schläfe des Gesichts das Ohr eines Tieres und ein ungefähr 1 m hohes verzweigtes Geweih hervor und weiter unten ein Ohr und zwei Strahlenpaare (vrgl. Stein I). Von den übrigen Figuren seien erwähnt vier einen Kreis einschliessende Quadrate, Tier- und Menschenbilder. Auf den anderen Seiten des Steines waren keine Figuren. Rings um ihn hatte sich der sonst ebene Boden zu einer kleinen Grube gesetzt. Der auf der Karte mit III bezeichnete Stein steht ebenfalls allein auf der flachen Steppe, hat aber keine Figuren. Ein kleine Strecke von hier erheben sich drei grosse Kurgane oder Erdhügel in einer Reihe von Norden nach Süden. Die zwei nördlicheren sind von Steinpfeilern umgeben; der mittlere hat deren neun, von denen ein an der westlichen Breitseite des Grabhügels stehender Stein (IV auf der Karte; Abb. 146 a) auf der östlichen Schmalseite Spuren eines Reliefgesichtes aufweist. — Einige zwanzig Schritt östlich von diesem Kurgan stehen auf flacher Steppe etwa 7 Schritt von» einander zwei Steinpfeiler (V und VI auf der Karte), von denen der eine mit einem jetzt verwitterten Reliefgesicht geschmückt gewesen ist. — Mitten auf der Steppe steht ein grosser Kurgan. Die Rückreise unternahm ich, dem Birjafluss stromabs wärts folgend, über den Uluss Tschamak oder Kuljerakaf, der 4-5 Werst oberhalb der Mündung des von links kommenden Birja in den Uibat liegen soll. Die Tschamaker Steppe erstreckt sich östlich von dem Birja in einer Länge von 6-7 Werst von Norden nach Süden und ist bis zu den Bergen Mangaltai und Batarlich im Osten 2-3 W. breit. Das Panoramabild der Gegend, Abb. 148, auf welchem im Hintergrund der Berg Ujetpas sichtbar ist, ist von dem Hügel A auf der Kartenskizze N:o 147 aufgenommen. Zwischen dem Batarlichberge und dem Flusse befindet sich eine grosse, weitzerstreute Gräbergruppe, in der ich 43 Gräber zählte (Gruppe I auf der Karte). Eine zweite, kleinere Gruppe (II) liegt nördlich von I und enthält auf einer Fläche von 220X120 Schritt mindestens 36 Gräber, von denen eines ein Erdhügel (Kurgan) ist, alle übrigen aufgewühlte Steinplattengräber. Zwei von den lezteren sind 50-70 Schritt lange Steinhaufen, die übrigen 5-15 Schritt im Durchmesser haltende viereckige oder runde Steinhügel (vrgl. den Grundriss Abb. 150; die Photographie Abb. 149 ist von NW aufgenommen). Mit Figuren geschmückte Steinpfeiler befanden sich an zwei Gräbern. Das eine Grab (N:o 1 auf der Karte Abb. 150, Grundriss 151) das ursprünglich ungefähr 10 Schritt im Querschnitt gemessen haben dürfte (jetzt ein 15 Schritt langer Hügel), war von sechs Steinpfeilern umgeben (der eine, a auf dem Grundriss, umgestürzt) von denen der in der Nordwestecke (b) mit Bildern bedeckt war (Abb. 152). Er war 1,75 m hoch, 0,60 m breit und 0,35 m dick und hatte einen ovalen Querschnitt; die Oberfläche ist rauh und bemost. Der Stein hat eine etwas gebogene Form und endigt oben in einen vollplastischen gehörnten Widderkopf mit nach Westen gerichtetem Maul. Darunter war auf derselben Seite mit eingehackten Linien ein mit Hörnern, Tierohren, Strahlen, drei Augen, Tätowierstreifen und Mund versehenes Gesicht dargestellt. Von der Mitte der Stirn erhebt sich ein säulenartiges Ornament, dessen oberer Teil sichtlich durch Schaben undeutlich gemacht worden ist (vrgl. Abb. 105). Auf beiden Breitseiten waren je zwei Kreise, von welchen an vier Stellen strahlenartige Linien ausliefen (die Figuren der Nordseite waren verwittert). Auf der Rückseite oder der östlichen Schmalseite war das Bild einer schöngeringelten Schlange oder eines Drachen mit strahlenförmigen Füssen und dreifachem Kopf. — Das zweite Grab (N:o 2 auf der Karte Abb. 150; Abb. 153), das 10 Schritt lang und ebenso breit war, war ebenfalls von sechs Steinpfeilern umgeben, von denen der in der Nordoder richtiger Nordostecke stehende ein mit eingehackten Strichen hergestelltes Gesicht mit drei Augen, Nasenlöchern, Mund, Tätowierstreifen und langen Hörnern zeigte (Abb. 154). Das Bild war auf der westlichen Schmalseite des Steines.