abb Hjalmar Appelgren-Kivalo: Alt-Altaische Kunstdenkmäler
22)Zusatz N:o 22.



  Die im Texte erwähnten Steine bei dem Kirchdorfe Askys machen in Hinsicht auf die Technik der bildlichen Darstelslungen auf den heutigen Betrachter beinahe einen halbfertigen Eindruck. Beide Steine sind im Querschnitt rechteckig. In ihre ebenen Flächen sind Bilder in flachem Relief derartig eingemeisselt, dass der darzustellende Gegenstand sich 4—5 mm über die Grundfläche erhebt. Aber die überflüssige Steinoberfläche ausserhalb des Bildes ist an vielen Stellen nur so weit entfernt worden, dass die Form des zu schaffenden Bildes hervortritt. Der Stein Abb. 211 ist 1,45 m lang. Auf seiner Breitseite (a) ist eine durch Abnutzung undeutlich gewordene Menschenfigur, welche die ganze Fläche ausfüllt; auf der einen Schmalseite befindet sich ausser einigen undeutbaren Figuren das Bild einer mit einem dreizüngigen Fähnchen geschmückten Lanze. Auf der anderen Schmalseite des Steines (b) ist ein Ritter mit einer dreizipfeligen Kopfbedeckung dargestellt, der in den Händen eine ebensolche Fähnchenlanze hält. (Vgl. die Fahnen auf den Bergen Pisannaja- und Soljannaja-Gora, Abb. 81 und 93). Hinter dieser Figur sind symbolische Zeichen u. a.m. sichtbar. — Auf der Breitseite des zweiten Steines, Abb. 212, ist vielleicht ebenfalls eine die ganze Fläche ausfüllende Menschenfigur (a) gewesen, doch ist sie jetzt durch Abnutzung stark beschädigt, auf beiden Schmalseiten sind die von Aspelin erwähnten Kamelbilder, von denen (am unteren Ende des Steines) ein Teil abgesplittert ist.

P. S. Pallas hat in seiner Arbeit »Reise durch verschiedene Prov. des Russ. Reiches» T. III, S. 357-358 folgende Beschreibung dieser Steine gegeben, aus welcher hervorgeht, dass die Figuren damals, noch im September 1772, besser erhalten waren, obgleich die Beschreibung in gewissen Stücken un- vollständig zu sein scheint. Er sagt:

  »Ein paar Werste oberhalb der Winterwohnung des Beltirischen Oberhaupts haben zwey ganz schmale, gegen drey Ellen hohe, auf beyden Seiten platte, nach oben schmälere und abgestutzte Steine neben einander gestanden, welche itzt auf der Erde liegen. Beyde haben am obern Ende die Lineamente eines Menschengesichts ganz flach ausgehauen auf sich. Der eine, (hier Abb. 212), welcher um eine halbe Elle höher ist und von den Tataren Küss-Tasch (die Tochter) genannt wird, hat auf dem Schnitt des Randes zur Rechten des Gesichts von oben bis unten grob ausgehauene Figuren von zweybucklichten Kameelen, auf dem andern Rande aber ist ein ungestaltes Bild von einem Kinde ausgearbeitet.
— Den andern Stein (siehe Abb. 211) nennen die Beltiren Küsi-Tasch (den Mannstein); auf dessen rechten Rande sieht man unten ein Mannsbild zu Pferde, mit voraus gerichteter Lanze, an welcher eine Flagge hängt und etwas höher einen gespanten Bogen mit darauf gelegtem Pfeil ziemlich gross und deutlich ausgehauen. Auf dem andern Rande sind verschiedne Figuren undeutlich geworden, nach oben sieht man noch eine Lanze mit dreyzackigter Flagge, die fast wie der Bart an einem Schlüssel aussieht; weiter unten einige Querstriche und die Form eines umgekehrten Stiefels, zu uns terst aber die Abbildung eines Kindes».

  Von diesem Dorf fuhren wir längs dem linken Ufer des Askysflusses stromaufwärts, bis wir 7 Werst oberhalb der Mündung des Flusses einen 1,20 m hohen Stein fanden, in dessen östliche Schmalseite 18 querüber laufende Linien ein» gehackt sind, Abb. 213. — Auf einem anderen 2,10 m hohen Steine waren ausser einigen Bildern von gehörnten Tieren viele hausmarkenähnliche Zeichen, Abb. 214.

  1 Werst weiter oder 8 Werst westlich von Askys trafen wir einen 2½ m hohen und sehr breiten Steinpfeiler an, auf dessen unteren Teile eine Reihe Opfergrübchen und neben diesen ein ungeschickt dargestellter Bogenschütze sowie andere Menschenfiguren und ein Hirsch zu sehen sind. Oben ist das Bild eines Tieres in derselben spielenden Stellung, wie wir schon mehrere in der Bildergruppe I auf dem Felsen von Suljek (Abb. 77) gesehen haben. Der mittlere Teil des Steines ist mit runden und halbrunden Zeichen u. a. m. bedeckt. Abb. 215.

Abb. 216 zeigt das von Aspelin erwähnte Steinbild eines Mannes, das sich 12—13 Werst oberhalb der Mündung des Askysflusses und 2½, Werst vom Basaflusse befindet. Es ist ein vollplastisches Kunstwerk, dessen Kopf abgeschlagen und verschwunden ist und das auch am unteren Teil beschädigt ist. In seinem jetzigen Zustand ist der Stein 1,09 m lang, unten 0,55 m und in der Mitte 0,33 m breit. Die Hände halten eine Schale.