31)Zusatz N:o 31.



  Am 10. September begab ich mich also mit Pastor Granö und seinem Küster über die Dörfer Beiskoje, Taba, Judina und Monok nach Arbat, wo wir am Morgen des 12 anlangten. Von diesem Dorf aus sollte der Ritt über das Sajanische Gebirge beginnen und zu diesem Zwecke führten wir einen Brief von Safianow an den Kaufmann Michail Leontewitsch Sipkin mit uns, in welchem dieser gebeten wurde uns eine Karawane für die Fahrt nach der Mongolei auszurüsten. Hier teilte man uns indessen mit, dass die Bergflüsse infolge des anhaltenden Regens so stark angeschwollen wären, dass es zurzeit unmöglich wäre sie zu überschreiten. Auf der russischen Seite hätten viele eine Geschäftsreise über die Grenze machen wollen, und in der Mongolei wäre so mancher, der zurückkehren müsste, aber es nicht gekonnt hätte. Wenn der Regen drei Tage aussetzte, würden die Flüsse wieder passierbar werden. Allerdings wären vor 8 Tagen einige Sojoten von hier nach ihrer Heimat zurückgehekehrt, und von ihrer Art die Flüsse zu überschreiten erzählte man, dass sie ihr Gepäck auf den Nacken schnallen, das Pferd ins Wasser treiben und sich an dessen Schwanz festhaltend das andere Ufer erreichen. Da sich diese Methode aber nicht für uns eignete, blieb nichts anderes übrig als das Aufhören des Regens abzuwarten.

  Die Wartezeit benutzte Pastor Granö zu kirchlichen Verrichtungen mit Finnen und anderen Lutheranern, die in der Abakaner Eisenhütte arbeiteten und in den benachbarten Dörfern wohnten, während ich mich mit antiquarischen Untersuchungen beschäftigte und u.a., obgleich vergeblich, von neuem Versuche machte, die Inschrift zu finden, welche nach uns gemachten Angaben sich auf einer Felswand in der Nähe der Eisenhütte befinden sollte und nach welcher Aspelin und ich schon früher gefahndet hatten, von der man aber im Orte selbst nichts wusste.

  Nachdem wir vier Tage vergeblich darauf gewartet hatten, dass der Regen endlich aufhörte, gaben wir in Hinsicht auf die späte Jahreszeit für dieses Mal den Plan einer Reise über die chinesische Grenze auf. Da wir aber schon so weit nach Westen gekommen waren, beschlossen wir unsere Reise über die Alatauberge nach Barnaul fortzusetzen. Auf dieser Fahrt den wir durch die Dörfern Taschtip und Jimik anfingen, passierten wir folgende Goldwäschereien: die Danilowsche am Flusse Feodorowka, eine bei Kedrowka und eine am Magizifluss, der Südaltaischen Aktiengesellschaft gehörig. Nachdem wir die Mündung des Ballizaflusses erreicht hatten, setzen wir die Fahrt in einem Boot längs dem Tomstrom bis zu der Stadt Kusnetsk fort und fuhren von dort im Wagen nach Barnaul. Im dortigen Museum zeichnete ich einige Skulpturen ab, deren Beschreibung unten folgt. Von Barnaul nahmen wir den Weg über Tomsk nach Omsk, Pastor Granös Wohnort, von wo ich allein nach Europa weiterreiste. In Helsingfors langte ich am 20. November 1887 an. *

  Zuletzt seien hier einige skulptierte Steine genannt, die ich in den Museen zu Minussinsk, Barnaul und Tomsk abzeichnete, deren ursprüngliche Standplätze aber nicht mehr mit Gewissheit bestimmt werden können, obgleich ihre Fundorte im allgemeinen in den meisten Fällen angegeben sind.

  Im Museum zu Minussinsk befanden sich zwei Widderbilder. Das eine aus »Maidaschinskaja am Jenissei» besteht aus einem Steinblock, dessen eine Ecke zu einem Kopf mit krummen Hörnern, Ohr und Augen geformt, dessen Schnauze aber abgeschlagen ist. Das eine Vorderbein ist durch eingehauene vertiefte Linien angedeutet. Abb. 285.

  Der obere Teil des zweiten Blockes stellt einen plastisch geformten Widder dar, dessen Hinterkopf und Schnauze abgehauen sind. Der Rumpf ist abgerundet, die Hörner kräftig spiralförmig gedreht; längs dem Scheitel und dem Nacken sind zwei mähnenförmige Wollenwülste sichtbar und die in Relief mit deutlichen Klauen dargestellten Beine sind unter den Rumpf gebogen. Nach Angabe zwischen den Ulussen Kobilkowa und Tschirkowo am Uibatfluss gefunden. Abb. 286.

  Das Museum in Barnaul enthielt drei Skulpturen ohne nähere Fundangaben. Unter diesen befand sich ein Widderbild in Vollplastik, aber mit abgeschlagener Schnauze. Die Hörner und die unter den Bauch gebogenen Beine unvollständig geformt; die Mähne unter dem Halse durch eine Reihe paralleler Vertiefungen angedeutet. Die jetzige Länge des Bildes beträgt 1,25 m, seine Höhe 0,75 m und Breite über die Lenden 0,55 m. Abb. 340 a, b.

  Die beiden anderen waren Standbilder von Männern. Das eine war 1,17 m hoch; mit Schnurrbart, breitem Pelz(?)kragen, in der rechten Hand eine Trinkschale mit rundem Boden und ohne Griff, in der Linken ein Schwert (?) mit Scheide und zwei Wehrgehenkbeschlägen. Abb. 341. Das andere, 1,74 m hohe Bild stellte einen bartlosen Mann mit gekreuzten Beinen dar, der zwischen den (nicht ausgemeisselten) Händen ein mit Fuss und breitem Halse ausgestattetes Gefäss hält. Abb. 342.

  Im Museum der Universität in Tomsk zeichnete ich folgende drei Steinbilder ab. Ein bartloser Mann, 1,50 m hoch, mit breitem Pelzkragen, in der Rechten ein Trinkgefäss mit schmalem Hals und Griff, in der Linken ein Schwert (des Raumes wegen?) in zwei Hälften verteilt, die eine unter der anderen; am Gürtel eine Tasche u.s.w. Abb. 343. Ursprünglicher Standort: Karkaralinsk (Gouv. Semipalatınsk).

  Das zweite Steinbild: ein bartloser Mann mit gekreuzten Beinen, gegürtet um die Hüfte, ungef. 1,50 m hoch. In der Nähe der Schläfe befindet sich eine Art Spange. An der Rechten ein Vogel (Falke?). Abb. 344. Fundort: Altyn Emelskaja Stantzia, 300-400 Werst nordöstlich von Wjernyi (Gouv. Semirjetschensk).

  Die dritte Figur ist nur 0,60 m hoch. Das Gesicht bartlos, um den Hals ein Ring; die Hände halten eine Schale wahrscheinlich mit halbrundem Boden. Der untere Teil des Körpers unterhalb der Hände fehlt. Abb. 345. Fundort: Bachty in der Nähe der Grenze gegen Kuldscha (Gouv. Semirjetschensk).