— — — Das Steinbild lag an dem nach Tschebaki führenden Wege an einer Stelle, wo sich früher ein Sommeruluss befunden hatte. Nach der Angabe des Tataren war es von dem Fuss des 5 W. entfernten Argoaberges, wo es in einem Gehölz bei dem Uluss Oschkol, 7 W. vom KaraJusflusse und ein paar W. von dem nächsten Steppengrabe gestanden hatte, dorthin gebracht worden. Der Kopf fehlte; der Rumpf bestand aus fünf Sandsteinblöcken, die wir zwecks Photographierung aufrichteten. Die rechte Hand hält vor der Brust ein Gefäss, die Linke an der linken Seite des Bauches einen Knüttel (Dolch?). zusatz 51) Ich erkannte das Bild sofort wieder. Es ist im vorigen Jahrhundert von Falck abgebildet worden und schon damals war der Kopf heruntergefallen, doch konnte Falck ihn wieder aufsetzen um ihn abzubilden. Die hintere Seite des Steinbildes war vollständig unbearbeitet. Wir liessen das Bild aufgerichtet stehen; doch dürften die einzelnen Stücke über kurz oder lang verwittern, wenn sie nicht in ein Museum gebracht werden. Den Kopf des Steinbildes hat der Tatar nie gesehen. Von einer anderen Steinfigur (Kamennaja djewka), von welcher nur noch zwei Bruchstücke an der Wegscheide zwischen den Ulussen Kljuts und Batanakowo erhalten sind, hat der Isprawnik von Atschinsk Woronkow den Kopf mit sich gehen heissen. Ungefähr 6 W. von Podkamen zweigt sich vom Wege nach Tschebaki ein Weg nach dem Uluss Jangulow ab. Wir folgten diesem Nebenweg ein paar Werst und bogen dann links in der Richtung gegen den Argoaberg ab, von dessen Abhang ein roter Sandsteinfelsen emporragte und einen guten Schutz gegen Regen und sengende Sonnenstrahlen bot. Zu diesem roten Felsen klommen wir den Abhang hinauf an kirgisischen aus Steinplatten errichteten Grabhügeln vorbei. Eingeritzte Zeichnungen derselben Art wie die auf den Grabsteinen bei Podkamen fanden wir an einer Felswand in ziemlicher Menge vor. Sie schienen hauptsächlich religiösen Charakter zu haben. Es gab hier wie auf dem Grabstein vier Priester in langen Mänteln und eine Anzahl Pferde, einige mit Eigentümerzeichen auf der Kruppe. Ferner das vorzügliche Bild eines Bogenschützen in derselben Tracht wie auf dem Grabstein. Von den Bildern wurden Photographien und Abklatsche genommen. Diese Bilder geben im Verein mit denen von Suljek und Podkamen, um von den Gipsmasken ganz zu schweigen, eine unerwartet deutliche Vorstellung von der äusseren Erscheinung des in grauer Vorzeit hier lebenden mächtigen Volkes. Die Röcke, die bei den Russen und den heutigen Sibiriern weit und lang sind, scheinen bei den Bogenschützen eng anliegend und von vorn zu öffnen gewesen zu sein und die Schösse reichen nur bis zu den Knieen. Das Haar ist lang, die Mütze scheint niedrig zu sein, wie die finnische »Topfmütze» (patalakki) oder ein sehr niedriger Trichter. Ein Reiter auf dem Suljekfelsen trägt einen vollständigen Harnisch. zusatz 52) — Auf dem Berge befindet sich, wie der Tatar erst auf dem Heimwege erzählte, eine Tschudenburg derselben Art, wie Appelgren sie abgezeichnet hat. (Vgl. Abb. 94, Abb. 95). Am folgenden Morgen begaben wir uns in der Gesellschaft eines Hirten zu einer Tschudenburg, 10 W, von Podkamen, am Wege nach Batanakowo. Sie liegt auf einer steil abfallenden Bergzunge, ungefähr 3000 Fuss über der Steppe, welche sich von hier aus nach Batanakowo, der Michailowsker Fähre, Farpus und Birkali zu öffnet. Sie war ungefahr 57 m lang und 25 m breit. Die Toröffnung und der grösste Teil der Mauern waren noch gut erhalten. Die etwas über 2 Meter hohe Mauer ist sorgfältig und gleichmässig aus Sandsteinplatten aufgeschichtet, die Torpartie desgleichen. Von Lehm ist keine Spur zu sehen, Gräben fehlen und von der Tür und von Balken sind keine Überreste vorhanden. An der West- und Südseite der Burg, wo der Berg jäh abfällt, befinden sich keine Mauern und Schutzvorrichtungen. Von der Burg wurden ein Liegeplan entworfen und ein paar Photographien genommen. zusatz 53) Auf demselben Ausflug photographierten wir die obenbeschriebenen Grabsteinzeichnungen von neuem.» — — — Die Fahrt ging weiter über den Ak-Jus zum Uluss Ajosch, von wo die Reisenden teils zu Pferde, teils zu Fuss die 8 W. entfernte Tochsasgrotte besuchten, deren Inschriften schon im vorhergehenden Sommer abgebildet wurden. Brief IV. U. S. 17. VIII 1889, N:o 190. Minussinsk den 15 Juli 1889. In diesem Briefe schildert Aspelin zunächst die Reise, welche unter Ankauf von Altertümern und Aufsuchen von Inschriftsteinen über die Dörfer Son, Suchaja-Jerba, Snamenskaja und Borodino zu der Fähre Petroschilowo an der Mündung des Tubäflusses in den Jenissei fortgesetzt wurde, und erwähnt die Ankunft in Minussinskam Abend des 2 Juli. Der grösste Teil des Briefes enthält jedoch eine Darstellung der Angaben chinesischer und anderer Quellen über die Völkerstämme, die vor unserer Zeitrechnung in Mittels und Nordasien gelebt haben, sowie der Ansichten, welche einzelne Forscher in diesen Fragen aufgestellt haben. Nach der Ankunft Dr Heikels und seines Gehülfen Selivanow in Minussinsk begannen mit dem wirksamen Beistand des Kaufmannes Safianow die Vorbereitungen zu der Reise der ersteren nach der Mongolei. Heikel sollte sich einer grösseren Karawane von 40—50 Pferden anschliessen, welche vom Dorfe Arbat am Abakan und am Fusse des Sajanschen Gebirges aufbrechen sollte. Er verliess Minussinsk am 17. Juli. Brief V. U.S. 7, IX. 1889, N:o 208 A. Minussinsk den 8. August 1889. Hier folgt Aspelins Bericht über die von Snellman vorgenommenen Ausgrabungen in dem grossen Kurgan 3 W. SO vom Dorfe Tesinskoje (37 W. von Minussinsk), an welchem Kurgan ein Inschriftstein stand. Da diese Untersuchung in der Zeitschr. d. Finn. Alt. Ges. XXIX:2 veröffentlicht ist, genügt hier ein Hinweis auf diese Arbeit. Nachdem Aspelin Snellman beauftragt hatte die Untersuchung des Teskurganes zu Ende zu führen, begab er sich am 6. August nach Minussinsk um die von ihm geplanten Ausgrabungen am Uibatflusse vorzubereiten. Brief VI. U.S. 27. IX 1889, N:0 225. Minussinsk den 25. August 1889. Der im vorigen Briefe erwähnte Plan den am Uibatflusse stehenden grossen, Kara-Kurgen benannten Grabhügel zu untersuchen wurde durch die Schwierigkeit zur Erntezeit und besonders so weit draussen auf der Steppe genügende Arbeitskräfte aufzubringen vereitelt, weshalb Aspelin, dessen Arbeitszeit Mitte September zu Ende gehen sollte, sich entschloss seinen Arbeitsplan zu ändern und sich den Jenissei stromaufwärts zu begeben um die Stellen aufzusuchen, wo die drei s. g. Schuscha-Inschriftsteine ursprünglich gestanden hatten, und diese zu untersuchen, wenn Arbeitsleute angeschafft werden könnten. Er fuhr also am 11. Aug. zum Dorfe Schuscha, wohin Castrén ım J. 1847 einen und der Minussinsker Isprawnik, Fürst Kostrow im J. 1859 zwei Inschriftsteine aus der Gegend westlich vom Jenissei hatte bringen lassen. Nach dem Berichte Kostrows hatte der eine der letzteren in geneigter Stellung auf einem Grabe 25 W, von der Mündung des Oja(Ui)-flusses gestanden; ein Teil von ihm war 1880 nach Minussinsk gebracht worden. Vergebens versuchte Aspelin jedoch sowohl von alten Leuten wie auch von den Behörden im Orte zu erfahren, wohin der andere Teil des Ojasteines geraten war oder wo er gestanden hatte. Da es sich in diesem Ort leichter erwies Arbeiter zu dingen, untersuchte Aspelin zwei 1 Werst vom Dorfe Osnatschennaja an dem nach Beiskoje führenden Wege stehende Kurgane. Der Inschriftstein, den Castrén 1847 nach Schuscha gebracht hatte, sollte nämlich an dem einen (dem westlicheren) dieser Erdhügel gestanden haben. Die Resultate dieser Untersuchung sind in der Zeitschr. d. Finn. Altert. Ges. XXIX: 2, S. 19-22 verößffentlicht. Nach weiteren in Beiskoje angestellten Versuchen etwas über die verschollenen Steine zu erfahren traf Aspelin zwar im Dorfe Atschura Leute an, die sich noch des Transportes dieser Steine über den Jenissei nach Schuscha erinnern konnten, erhielt aber keine Aufschlüsse, die zu einem positiven Ergebnis geführt hätten. Auf den Fahrten in dieser Gegend kaufte Aspelin in den Dörfern Altertümer und begab sich dann zum Tes-Kurgan um Snellmans Arbeiten dort zu besichtigen. Darauf kehrte er nach Minussinsk zurück. Um Arbeiter für die geplanten Grabungen am Uibatflusse anzuwerben reiste Snellman nach der finnischen Kolonie Werchne-Suetuk, jedoch ohne etwas auszurichten. Brief VII. U. S. 23 X. 1889, N:o 247 A. Minussinsk den 12 September 1889. Nach Übereinkunft sollte Dr Heikel vor dem 1 September entweder aus der Mongolei zurückkehren oder einen Bericht über seine Fahrt schicken. Aspelin beschloss daher Mitteilungen von ihm abzuwarten, und die Wartezeit zur Photographierung der vorgeschichtlichen Sammlungen des Museums und zum Durchgehen der dortigen archäologischen Literatur zu benutzen. Von Heikel, der nach einem früheren Brief aus dem Dorfe Dschirscharek am Kemtschik flusse eine beschwerliche und abenteuerliche Reise über das Sajanische Gebirge gehabt hatte, kam am letzten August ein Brief aus Tschakul, in welchem er mitteilte, dass er einige zwanzig Werst unterhalb Dschirscharek einen neuen Inschriftstein gefunden und in der Umgegend von Tschakul solche Steine photographiert hätte sowie dass er jetzt im Begriff wäre sich den Ulu-Kem (Jenissei) stromaufwärts nach Soldan zu begeben. Nachdem Snellman seine photographischen Arbeiten im Museum beendigt hatte, rüsteten sich die Reisenden zum Aufbruch aus Minussinsk. Aspelin berichtet darüber, wie folgt: »Am 4. September verliessen wir endlich Minussinsk längs dem Abakan um die am Uibat befindlichen Inschriftsteine, Gräber und bemerkenswertesten sonstigen Bodenaltertümer zu photographieren. Am folgenden Tage bogen wir von der Mündung des Abakan nach Nordwesten ab um ein jenseits des Baches Taschebá liegendes grosses Grabfeld, welches wie dasjenige am Bei unter dem Namen Tschaatas oder »die Kriegsteine» bekannt ist, zu untersuchen. Nach Klementz und Bulanow, welche diese Stelle besucht haben, sollten dort Steinbilder sein, und diese wollten wir abbilden. Die Grabhügel dieser grossen Gruppe sind hauptsächlich aus Steinen aufgeworfen und die grössten von ihnen sind wie am Beiflusse von ungewöhnlich hohen und verhältnismässig schmalen Steinpfeilern umgeben. Das von ihnen gebildete Viereck ist nicht so regelmässig wie gewöhnlich bei Grabhügeln und auch die Breitseite der Steinpfeiler lag in derselben Richtung wie die Seiten des Grabes (gewöhnlich sind die Schmalseiten der Steinpfeiler gegen Südwesten und Nordosten gerichtet). An wenigstens sieben Steinen befand sich ein skulptiertes Gesicht, aber nur an zweien waren die Gesichtszüge einigermassen deutlich; doch konnte nur ein Stein photographiert werden. Ausserdem fand ich aber auf der Schmalseite eines Steines das eingeritzte Bild eines freien Pferdes und eines Reiters, mit Lanze, beide umgekehrt, woraus hervorgeht, dass sie vor der Aufrichtung des Pfeilers gezeichnet waren. Sowohl die Technik der Zeichnung als auch das Äussere des Reiters erinnerten an die Zeichnungen auf den Grabsteinen und Felswänden am Kara-Jus. zusatz 54) Der genannte Stein stand auf der Nordseite des Grabfeldes an dem zweiten Grabhügel von der Nordostecke gerechnet, und an demselben Grabhügel befand sich ein anderer Stein mit dem gut aber grob eingehauenen Bilde eines Bockes. Schliesslich fand ich noch an dem Ostrande des Grabfeldes an dem vierten Grabhügel von der Nordostecke gerechnet unter 15 noch aufrecht stehenden Steinpfeilern einen bisher unbekannt gewesenen Inschriftstein. Leider ist die Oberfläche dieses Sandsteinpfeilers im Laufe der Zeit so stark verwittert, dass von der einstigen Schriftzeile nur 18 Zeichen deutbar sind, und viel mehr dürfte die Zeile kaum enthalten haben. Schlecht erhalten wie sie ist, lässt sich die Schrift mit der Harasuinschrift in der Mongolei vergleichen. Ausser Abdrücken auf dünnes Papier nahmen wir Photographien von dem Inschriftstein sowie auch von.dem grossen Grabhügel, der jetzt zur Aufklärung der Inschrift ausgegraben werden müsste.*) Eine Senkung in seiner Mitte rührt von Schatzgräbern her, ist aber nicht so tief, dass das Grab selber aufgedeckt worden wäre.» Brief VII. (Forts). U. S. 24. X. 1889, N:o 248. »Erst spät am Abend kamen wir von jenem Abstecher in dem Uluss Trajakowa am Uibatflusse an. Hier erhielten wir am folgenden Morgen meinen Begleiter vom vorigen Herbst, den ältesten Sohn des Ulusses, zum Wegweiser zu den Inschriftsteinen. Sowohl diese wie die Grabhügel, neben welchen sie standen, wurden photographiert, aber vergebens suchten wir auch jetzt die von Pallas veröffentlichten Inschriftsteine. Von dort fuhren wir den Uibat flussaufwärts nach dem Uluss Kobilkowa, in dessen Nachbarschaft in einer Entfernung von 5 W. sich der uns vom vorigen Herbst bekannte Kisil-Kajáfelsen mit den Zauberer: und Kesselbildern befindet.**) Auf diesen Bildern zeigt sich dem Betrachter in den die Zauberer begleitenden Reitern und anderen Menschenfiguren ein von den Menschendarstellungen auf dem Suljekfelsen und bei Podkamen abweichender dritter Volkstypus. Von den Kopfbedeckungen der Kisil-Kajámänner biegen sich nach beiden Seiten 3 Linien herab, die vielleicht Federschmuck andeuten sollen. Auch die Sättel sind eigenartig und an drei Stellen sind sogar schlittenfahrende Leute abgebildet. (Ähnliche Bilder finden sich nach Sawenkow unter den Felsenzeichnungen bei Petroschilowa). Leider zerbröckelt die bildgeschmückte Oberfläche des Felsens, die von einer Steinmoosart überwuchert wird, so dass schon ein grosser Teil der Bilder zerstört ist und von den erhaltenen viele unvollständig sind. Durch Abdrücke und photographische Aufnahmen suchten wir zu retten, was noch zu retten war.» — — — Von Kobilkowa fuhren die Reisenden über die Ulusse Terentjew und Syr nach Askys. Hier setzt Aspelin folgendermassen fort: »Am Vormittag photographierten wir Gruppen von Gräbern an der Mündung des Basaflusses und bei dem Uluss Apak. Nirgends erinnere ich mich eine solche Menge Gräber Sieh A. O. Heikel, Zts. Finn. Alt. Ges. XXVI: 4. **) Vgl. Zusatz N:o 50, S. 41. abb. 296, abb. 297, abb. 298, abb. 299, abb. 300 gesehen zu haben wie an dem letzteren Ort. Wer die hiesigen Steppengräber kennen lernen will, sollte die Poststrasse zur Seite lassend von Apak nach Ust-Jes fahren und er wird sich kilometerlang, um mit Castrén zu reden, durch einen Gräberpark bewegen; die Gräber treten hier in verwirrender Menge auf, zu Hunderten, vielleicht zu Tausenden. Auf dieser Strecke haben die Gräber, wenn ich mich recht entsinne, keine Hügel; sie bestehen vielmehr aus grossen, beinahe viereckigen Steinsetzungen, deren 0,5 m bis 1 m hohe, längs den Seiten stehende Steinplatten und diese überragende Steinpfeiler — gewöhnlich 2—3 an jeder Seite und zusammen 8 — einen imponierenden Eindruck machen. Eine deutliche Vorstellung von der Menge der Gräber könnte nur eine kartographische Aufnahme geben, aber für diese Arbeit ist hier kein geeigneter Mann zu haben. Die Gräber auf dieser Steppe sind noch von keinem Archäologen berührt worden und auch von Grabungen in älteren Zeiten sind keine Spuren zu sehen». Nach Aspelins Rückkehr nach Minussinsk am 10 September traf Seliwanow am folgenden Tage aus der Mongolei ein und berichtete über Dr. Heikels photographische Aufnahmen der Inschriftsteine am Jenissei und dessen Quellen. Heikel war in der Mongolei zurückgeblieben, sollte aber nach einer Woche zurückkommen. Von Minussinsk begaben sich Aspelin und Snellman am 14. September auf der Rückfahrt längs der Poststrasse in nördlicher Richtung zu der Fähre bei dem Dorfe Abakanskoje um von dort aus von neuem den skulptierten und mit Inschriften versehenen Stein am Tesflusse sowie auch den Suljekfelsen zu besuchen. Brief VIII. U. S. 26. XI. 1889 N:o 276. Tobolsk den 29 September 1889. — — — »Am Abend trafen wir auf der Poststrasse in Abakanskoje ein, wo wir einkehrten, da wir nicht in der Dunkelheit die drei Arme des Jenissei überschreiten konnten. Auf der ersten Reise hatte ich den dortigen Geistlichen, der Altertümer und Grabsteine sammelt, besucht. Dieser Mensch war auf den unheilvollen Gedanken gekommen sich eine Sammlung der auf der Oberfläche der Grabsteine befindlichen Bilder auf die Weise zu verschaffen, dass er den Stein in Stücke schlagen lässt um die bildgeschmückten Teile nach seinem Hof bringen zu können. Als Anschaffer lohnt er einen Tatar oder Bauer ab. Wenn die Absprengung misslingt, sind die Bilder vollständig zerstört; auf jeden Fall geht der für die Wissenschaft wichtige Zusammenhang zwischen den Zeichnungen und dem Grabe verloren, da nur der Zerstörer des Steines das betreffende Grab angeben könnte, wenn ein Archäolog es untersuchen wollte. Über so viel wissenschaftliches Verständnis verfügt aber der Geistliche nicht. Seinen letzten Grabstein soll er vom Ninjafluss aus einer Entfernung von 100 W. geholt haben. Am nächsten Morgen bereiteten uns diese »wissenschaftlichen» Bestrebungen einen grossen Verdruss. Auf der ersten Expedition hatten Appelgren und ich zwischen der Abakansker Fähre und dem Dorfe Borodino 1 W. rechts vom Wege auf einem Grabstein eingehauene Zeichnungen entdeckt, von denen Appelgren einige Proben abzeichnete, (abb. 126 u. abb. 127) und auch ich in mein später in der Mongolei verloren gegangenes Notizbuch eine abbildete, auf welcher zwei mit Stangen oder Speeren bewaffnete Männer miteinander kämpften. Diese Bilder waren, besonders was die Wiedergabe der Bewegungen der Kämpfer anbetrifft, so deutlich dargestellt, dass ich von ihnen gern eine photographische Aufnahme gemacht hätte. — — — Der Stein war sichtlich mit der Spitze einer Eisenstange in kleine Stücke zerstossen worden, unter denen wir nur zwei etwa 15 cm lange Scherben mit Bildern entdecken und als Zeugnisse der Zerstörungsarbeit mitnehmen konnten zusatz 55) Da wir von der Fährstelle nicht direkt zu dem »Rittersteine» am Tes (abb. 124) gelangen konnten, fuhren wir über Ustjerbinskoje längs dem linken Ufer des Jerba talaufwärts nach dem Dorfe Snamenskaja. Eine der grössten Gruppen von Gräbern, die ich auf dieser Reise gesehen habe, befindet sich auf dem rechten Ufer des Jerba dort, wo sich der von Abakanskoje kommende Weg in das Jerbatal herab- senkt. Es war ein Sonntagnachmittag, als wir nach Snamenskaja kamen. Trotzdem gelang es mir dort 5 Mann anzuwerben um mit Eisenstangen und Spaten den Ritterstein zwecks Abphotographierung zu wenden und aufzurichten. Einer der Leute war dabei gewesen, als der Stein vor ungefähr 10 Jahren von 7 Mann umgestürzt wurde. Ich betrachtete es als die Pflicht unserer Expedition gegenüber der Wissenschaft diesen von Strahlenberg abgebildeten und seitdem in der wissenschaftlichen Welt allgemein bekannten Inschriftstein auf seinem alten Platze wieder aufzurichten. Das Denkmal war im Laufe des Sommers auf den Rücken gelegt worden und »die Kinder, hiess es, hätten mit einem Stein Nase und Gesicht des Ritters übel zugerichtet. Zuerst wurde das aus Sandstein bestehende Denkmal auf die Schmalseite gewendet um im Lichte der untergehenden Sonne photographiert zu werden. Auf diese Weise erhielten wir Photographien sowohl von der Gesichts- als auch von der Rückseite, wo noch eine undeutliche Schrift zu sehen war. Dann gingen wir an die Aufe richtung des Steines auf seinem alten Platze, wo er als ein Gegenstand der Verehrung der Tataren mit dem Gesicht nach Osten gestanden hatte, Beim Graben der Standgrube stiessen wir schon in einer Tiefe von etwa 60 cm auf unberührten lehmhaltigen Grund, was meine Annahme bestätigte, dass dieses Denkmal wie viele andere, auf offener Steppe und nicht wie Titow angenommen, auf einem aus Steinen gebauten Grabe aufgerichtet gewesen war; die wenigen Steinplatten, welche um den Platz zerstreut herumlagen, reichten kaum aus um dem Fuss des Steines in der Erde Halt zu geben. »Stoit Bogatyr» (der Ritter steht)! riefen die Männer mit einem gewissen Stolz, als wir das Denkmal aufgerichtet hatten, und ich versuchte an ihr Nationalgefühl zu appellieren, indem ich ihnen deutlich machte, welch’ eine Schande es für das gebildete russische Volk wäre, wenn das in der ganzen Welt bekannte Denkmal, das auch in Zukunft von Gelehrten zu Studienzwecken besucht werden würde, nicht unversehrt unter dem Schutze dieses Volkes stehen könnte, nachdem es Jahrtausende unter türkischen Völkern überdauert habe». — — — Die Reise wurde über Suchaja-Jerba zu dem Flusse Ak-Jus mit einem Abstecher zum Uluss Kolmakowa fortgesetzt, wo eine vom gewöhnlichen Typus abweichende Bronzevase gekauft wurde. Nach Überschreitung des genannten Flusses bei dem Uluss Ajosch gelangten die Reisenden nach Tschebaki. Hier führt Aspelin einen ihm mitgeteilten Bericht über die einige Werst talaufwärts am Ak-Jus befindliche Tochsasgrotte, welche von ihm im J. 1888 besucht wurde (vergl. S. 41, 42), mit folgenden Worten an: »Hier erzählte der Fuhrmann Arsenij Kokow, dass Proskurjakow aus Krasnojarsk auch in diesem Sommer vor an: derthalb Monaten in der Tochsasgrotte gegraben und u. a. Knochen gefunden hätte. Kokow, der zu seinen Arbeitern gehört hatte, versicherte, dass die Inschrift damals noch an ihrem Platz gewesen war (»tutsche»), und fügte hinzu, dass Proskurjakow versucht habe mit dem Hammer die Inschrift abzusprengen, was ihm aber nicht gelungen sei; nur das unterste Wort (slowo) habe er abtrennen können und mitgenommen». — — — Von hier wurde die Reise zum Suljek felsen fortgesetzt, wo eine grössere Anzahl Abdrücke und auch Photographien von den Inschriften und Bildern genommen wurden, und weiter über Parna und Itatskaja nach Tomsk, zusatz 56) wo die Reisenden am 20 September ankamen. Nach der Dampfschiffahrt bis Tjumen fuhren sie mit der Eisenbahn bis Helsingfors, wo sie am 12. Oktober eintrafen.